Die Krankenkassenprämien in der Schweiz steigen seit Jahren. Doch es gibt bewährte Methoden, um die Kosten spürbar zu senken – ohne auf medizinische Leistungen verzichten zu müssen. Hier sind sieben Strategien, die sich in der Praxis bewährt haben.
Tipp 1: Krankenkasse wechseln – der grösste Hebel
Der mit Abstand wirkungsvollste Spartipp: Wechseln Sie zur günstigsten Krankenkasse in Ihrer Region. Die Prämienunterschiede für die identische Grundversicherung betragen je nach Kanton 30–50 Prozent. Ein Versicherter in Zürich kann allein durch den Kassenwechsel bis zu CHF 2'500 pro Jahr einsparen.
Wichtig: Die Grundversicherung bietet bei jeder Kasse exakt dieselben Leistungen. Es gibt keinerlei medizinischen Nachteil bei einem billigeren Anbieter. Der Wechsel ist Ihr gutes Recht und gesetzlich garantiert – jede Kasse muss Sie aufnehmen, ohne Gesundheitsprüfung.
So geht der Wechsel
Schreiben Sie bis spätestens 30. November ein eingeschriebenes Kündigungsschreiben an Ihre aktuelle Kasse. Die neue Kasse müssen Sie vorher oder gleichzeitig kontaktieren. Innerhalb von 5 Tagen erhalten Sie die Aufnahmebestätigung. Fertig.
Tipp 2: Franchise auf CHF 2'500 erhöhen
Die Franchise ist der Betrag, den Sie pro Jahr selbst tragen, bevor die Krankenkasse zahlt. Mit der höchsten Franchise (CHF 2'500 statt CHF 300) sinkt die monatliche Prämie um durchschnittlich CHF 120–170.
Faustregel: Wer weniger als CHF 2'200 Gesundheitskosten pro Jahr hat, fährt mit der hohen Franchise günstiger. Das trifft auf die grosse Mehrheit der gesunden Versicherten zu. Selbst wenn Sie einmal krank werden, ist der maximale Mehrkostenbetrag gegenüber der tiefen Franchise auf CHF 2'200 begrenzt (CHF 2'500 minus CHF 300) – und in den «guten» Jahren sparen Sie deutlich mehr.
Tipp 3: Versicherungsmodell wechseln (Telmed / HMO)
Wer bereit ist, vor dem Arztbesuch eine Telefonberatung zu nutzen (Telmed) oder sich an eine Gruppenpraxis zu binden (HMO), spart nochmals 12–25 % auf die Prämie. Im Prämienvergleich sehen Sie die konkreten Rabatte pro Kasse.
Telmed ist die populärste Alternative: Sie rufen eine medizinische Hotline an, werden beraten und gegebenenfalls an einen Arzt überwiesen. Im Notfall dürfen Sie direkt ins Spital – die Einschränkung ist also minimal. HMO-Modelle bieten die höchsten Rabatte, sind aber nur in grösseren Städten flächendeckend verfügbar.
Tipp 4: Unfalldeckung ausschliessen
Angestellte, die mindestens 8 Stunden pro Woche beim selben Arbeitgeber arbeiten, sind über das UVG (Unfallversicherungsgesetz) bei der Suva oder einer privaten Unfallversicherung abgedeckt. In diesem Fall können Sie die Unfalldeckung aus Ihrer Krankenkasse ausschliessen – das spart weitere 5–8 % der Prämie.
Achtung: Selbstständige und Personen mit weniger als 8 Wochenstunden müssen die Unfalldeckung einschliessen. Bei Stellenverlust muss sie innerhalb von 31 Tagen wieder aktiviert werden.
Tipp 5: Prämienverbilligung (IPV) beantragen
Personen und Familien mit bescheidenem Einkommen haben Anspruch auf individuelle Prämienverbilligung. Die Einkommensgrenzen variieren stark je nach Kanton. Im Kanton Zürich liegt die Grenze für Einzelpersonen bei rund CHF 54'000 steuerbarem Einkommen, im Kanton Bern bei rund CHF 42'000.
In den meisten Kantonen wird die IPV automatisch auf Basis der Steuerdaten berechnet. In einigen Kantonen müssen Sie jedoch aktiv einen Antrag stellen. Es lohnt sich, bei der Wohngemeinde nachzufragen – viele Berechtigte verschenken jährlich hunderte Franken, weil sie die IPV nicht beantragen.
Tipp 6: Jährlich statt monatlich zahlen
Viele Krankenkassen gewähren einen Rabatt, wenn Sie die Prämie halbjährlich oder jährlich im Voraus bezahlen statt monatlich. Der Rabatt beträgt typischerweise 0,5–2 % bei halbjährlicher und 1–4 % bei jährlicher Zahlung.
Konkret: Bei einer Jahresprämie von CHF 4'000 spart jährliche Zahlung rund CHF 40–160. Kein riesiger Betrag, aber zusammen mit den anderen Tipps summiert es sich. Voraussetzung: Sie müssen den Gesamtbetrag auf einmal aufbringen können.
Tipp 7: Familien: Jedes Mitglied separat optimieren
In einer Familie sollte jedes Mitglied individuell die günstigste Kasse haben. Es gibt keinen Zwang, dass alle bei derselben Versicherung sein müssen. Kinder (0–18) und junge Erwachsene (19–25) haben eigene Prämientarife – hier lohnt sich ein separater Vergleich besonders.
Praxisbeispiel: Eine vierköpfige Familie in Winterthur ZH kann durch individuelle Kassenoptimierung (unterschiedliche Kassen für Eltern und Kinder) bis zu CHF 6'800 pro Jahr sparen gegenüber der teuersten Kombination.
Rechenbeispiel: Alle 7 Tipps kombiniert
Ein 35-jähriger Angestellter in Basel-Stadt:
Bisherige Kasse: Sanitas, Standard, Franchise 300, mit Unfall = CHF 465/Mt.
Optimiert: Assura, Telmed, Franchise 2'500, ohne Unfall, jährliche Zahlung = CHF 198/Mt.
Ersparnis: CHF 267/Mt. = CHF 3'204 pro Jahr.
Bonus-Tipp: Jährlich im Herbst vergleichen
Die neuen Prämien werden jeweils Ende September vom BAG genehmigt und Anfang Oktober veröffentlicht. Dann haben Sie bis Ende November Zeit, zu kündigen. Machen Sie sich eine jährliche Erinnerung – denn die günstigste Kasse kann von Jahr zu Jahr eine andere sein.
Nutzen Sie unseren Prämienvergleich, um innerhalb weniger Minuten die billigste Lösung für Ihre Situation zu finden. Oder starten Sie direkt auf krankenkasse-finden.ch.
«Wer alle sieben Tipps konsequent umsetzt, kann seine Krankenkassenkosten um 40–60 Prozent senken. Das ist bares Geld, das jeden Monat auf Ihrem Konto bleibt.»